www.Baden-spielt-Schach.de Stand: Sonntag, 23.11.2008

 

Deutschland-Cup

Badische Impressionen vom Deutschland-Cup in Dresden

von Markus Haag aus dem badischen Betreuerteam

Insgesamt 95 Aktive sowie zahlreiche Familienangehörige machten sich auf den langen Weg nach Dresden. Bereits bei Heilbronn wurde unser Tatendrang durch einen Stau gebremst. Fast zwei Stunden Stop and Go. Gegen 20 Uhr hatten wir dann endlich unser Ziel erreicht.

Voller Enthusiasmus betraten wir am nächsten Morgen das Congress-Center, ein architektonisch beeindruckendes Bauwerk. Der riesige Spielsaal mit seinen fast 500 Brettern versetzte so manchen in Staunen. Der Deutschland-Cup, das größte jemals bei einer Schacholympiade ausgetragene Rahmenturnier, konnte beginnen. Wir alle sollten ein Teil hiervon werden.

Wie bei jedem großen Turnier, war auch hier der Start etwas holprig. Das tat aber unserer Freude keinen Abbruch. Das Turnier begann für uns sehr vielversprechend. Mehr als die Hälfte gewannen ihre Eröffnungspartie und so konnten wir gut gelaunt bei einer dreistündigen Stadtführung so manches interessante Detail über Dresden erfahren. Am Abend trafen wir uns im Carolaschlösschen, einem im Großen Park von Dresden gelegenen Restaurant, zum gemeinsamen Essen.

In der zweiten Runde lief es für die Badener nicht so gut und so waren am Nachmittag nur noch ein knappes Viertel im Titelrennen der 15 Klassen. Nachmittags traf sich eine etwa dreißigköpfige Gruppe zur Besichtigung der Semperoper und der Frauenkirche. Die Anderen nutzten die Gelegenheit die Schacholympiade live zu erleben und blieben im Congress-Center. Es war eine spannende Runde - Deutschland 1 spielte gegen Russland hoch dramatische Paarungen und konnte am Ende mit einem 2:2-Unentschieden einen tollen Erfolg feiern.

Am Abend traf man sich dann wieder im Carolaschlösschen zum Abendessen. Dort wurden noch die letzten Details ausgetauscht, um für die Doppelrunde am nächsten Tag gerüstet zu sein. Hier trennte sich weiter der Weizen von der Spreu und so schrumpfte die Gruppe der Titelanwärter immer weiter zusammen. Das Zwischenergebnis gab aber berechtigte Hoffnungen auf einige Titel. In fast jeder Gruppe waren noch ein oder mehrere Badener dabei. Die Halbfinals wogten hin und her und am Ende hatten wir ein rein badisches Finale in der Gruppe bis DWZ 999 und vier Finalisten.

Den Nachmittag verbrachten viele wieder im Congress-Center, um bei den Profis aus aller Welt den einen oder anderen Trick abzuschauen. Besonders begehrt waren jedes Mal die Plätze vor der großen Leinwand im Foyer, wo GM Klaus Bischoff mit Witz und Humor die interessantesten Partien kommentierte und so manche Feinheit aufzeigte, die dem Hobby-Schachspieler verborgen geblieben wäre.

Am letzten Tag betraten die Badener frohen Mutes die Arena und wollten Großes vollbringen. Zwischendurch sah es auch sehr gut aus - doch wie heißt es: Abgerechnet wird am Ende. Ja, das liebe Ende meinte es nicht so gut mit uns. Das rein badische Duell in der Gruppe DWZ bis 999 konnte Sergio Vega Garcia vom SK Villingen entscheiden und so blieb für Florian Ciolek vom SK Singen nur der zweite Platz.

In der Gruppe DWZ 1400 - 1499 verlor Gregor Haag vom SC Brombach den berühmten roten Faden und anschließend auch die Partie. In der Gruppe DWZ 1600 - 1699 behielt Lorenz Hartmann vom Schachclub Heitersheim die Nerven und wurde mit dem Meistertitel belohnt.

In der Gruppe DWZ 1800 - 1899 fand Fabrizio Barbanera vom SC Neumühl nicht ins Spiel und musste sich mit dem Vize-Titel zufrieden geben. Auch in der zweitstärksten Gruppe, nämlich DWZ 2200 - 2299 gelang FM Bernd Schneider vom SC Eppingen nicht der ganz große Wurf und so blieb es beim Vize-Titel.

In der stärksten Gruppe, DWZ 2300 - 2399, die aufgrund der geringen Teilnehmerzahl (17) ein reines CH-Turnier spielte, konnte FM Raoul Strohhäker von der OSG Baden-Baden bis zur Schlussrunde in der Spitzengruppe mithalten, verlor dann aber die letzte Partie und viel auf den undankbaren fünften Platz zurück. Die beiden Finalisten sowie die beiden besten Spieler des CH-Turniers jeder Gruppe erhielten bei der Siegerehrung am Nachmittag auf der Dachterrasse des Congress-Centers eine Urkunde sowie einen Glasquader mit einem Hologramm, das die Logos der Schacholympiade und des Deutschen Schachbundes, die Gruppe und die erreichte Platzierung zeigt. Die jeweiligen Turniersieger erhielten noch eine speziell für den Deutschland-Cup geschaffene Schachdame aus feinstem Meißener Porzellan.

Für den letzten Abend in Dresden hatte man sich zum großen Abschlussessen im Carolaschlösschen verabredet. Der kleine Saal war auch bis auf den letzten Platz gefüllt und bot einen würdigen Rahmen. Der Präsident des Badischen Schachverbandes Fritz Meyer dankte allen Helfern, die im Vorfeld und in Dresden bei der Organisation mitgeholfen haben und diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließen. In seiner Rede erinnerte er an den olympischen Gedanken - Dabei sein ist alles - und machte insbesondere den unterlegenen Finalisten neuen Mut. Das nächste große Turnier kommt bestimmt und damit auch wieder neue Chancen.

Die beiden Turniersieger erhielten aus seiner Hand ein großes Gruppenfoto der badischen Delegation sowie ein Schachbuch. Den auf den Plätzen 2 bis 4 gelandeten Teilnehmern überreichte er eine Tasse mit dem Motiv der Schacholympiade. Alle Teilnehmer und ihre Platzierungen wurden verlesen und zu einem Gruppenfoto nach vorne gerufen. Zum Schluss wurde noch das Badnerlied angestimmt. 

Die letzte Nacht war lang bzw. kurz je nachdem wie man es sieht und so machten sich am Freitagmorgen die beiden Busse wieder auf die Heimreise, die abgesehen von einigen Schneegestöbern und kleineren Staus gut verlief.
Abschließend kann man sagen: Es war ein tolles Erlebnis bei der bis jetzt größten Schacholympiade aller Zeiten dabei gewesen zu sein. Die vielen Eindrücke und Erfahrungen, die neuen Freundschaften und Erinnerungen, die werden sich bei allen Teilnehmern fest im Gedächtnis einprägen und den Deutschland-Cup unvergesslich machen.